Sehnsucht!

Als eines morgens der Abschied kam,
Gabst zum Scheiden mir noch einen Kuss.
Dich nochmals in die Arme nahm,
Ach, es ist so hart, das „Muss“.

Da sprachst du: Mein Mann,
Du gehst jetzt von mir fort,

Stärker als das wehend Bann,
ist die Pflicht ein heilig Wort.

Ihr, deine Pflicht, stell deinen Mann
Im grauen, großen, deutschen Heer
Bet’ für dich, so gut ich’s kann,
W ünsch dir viel Glück und Wiederkehr.

Der Brief soll uns Verbindung sein,
Über Zeit und fernen Ort,
Mit Liebe schreibe alles Gute ein,
Daraus nur Sehnsucht lasse fort.

Denn Sehnsucht ja an Heimat mahnt,
Für einen Krieger ziemt’s sich nicht.
Steht er im fernen, fremden Land
Wenn er von Heimweh-Sehnsucht spricht.

Ist dieser grausame Krieg einmal aus,
Die Liebe für uns neu erglüht,
Komm wieder ich zu dir nach Haus’
Die Blume der Sehnsucht wunderbar erblüht.

Hermansbad, den 12. 01. 1945

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